Ich freue mich

Ich freue mich, bald dein und mein Sthnen zu hren. Bin
voll Verlangen und so hungrig auf dich, dass du damit rechnen
musst, aufgefressen zu werden.
Endlich wieder die geliebte Stimme hren! Ich hre ihr
so vieles an, habe gelernt, ihre Nuancen zu unterscheiden,
zu lauschen, wenn ich die Nuancen seiner Mimik nicht sehen
kann.
Wenn Alexanders Gefhle weit weg von mir sind, sei es, weil
er gedanklich anderweitig engagiert ist, etwa in seiner
Arbeit feststeckt, oder aus welchem Grund auch immer,
nimmt seine Stimme einen metallischen Klang an, der meinen
Magen beunruhigt, als htte ich eine Rasierklinge verschluckt.
Dann frage ich mich in jhem Schrecken, ob ich versehentlich
etwas Verletzendes gesagt habe, das ihn so fern klingen
lsst. Als ob es nur mich in seiner Welt geben wrde!
Wenn er sehr mde ist, drckt sich das in tiefen, leicht
schleifenden Tnen aus und in einer Spur von Dialekt, als
ob die Zunge etwas von ihrer Beweglichkeit eingebt htte.
Ich empfinde dann ein mtterliches Verlangen, ihn in die
Arme zu nehmen und in den Schlaf zu streicheln.
Wenn er gereizt und gestresst ist, bekommt seine Stimme
eine steinige Kantigkeit, wie aneinanderklirrende,
scharfkantige, funkenschlagende Feuersteine. Ich fhle
das auf der Haut und unter den Fen, wie eine Gefahr, als
msste ich barfu ber eben diese Steine gehen, und ich
habe das Bedrfnis, ganz vorsichtig aufzutreten und mich
leise davonzumachen.
Wenn er in Flirtlaune ist, spre ich das an den Schmetterlingen
in meinem Bauch, die auf der Stelle lebhaft zu flattern
beginnen. Seine Stimme klingt dann wie Wasser, das ber
sonnengewrmte Steine pltschert. Eine Mischung aus
khler Frische und weicher Wrme, die meine Haut prickeln
lsst.
Wenn er mir emotional ganz nah ist, vibriert seine Stimme
tief und vertraulich und fhlt sich wie Samt an. Dann muss
ich aufpassen, den Inhalt seiner Worte nicht zu verpassen,
weil ich nur noch Ich liebe dich denke und nur noch Ich
liebe dich hre. Mein Herz klopft bis in die Fingerspitzen,
es weitet und ffnet sich fhlbar, als wolle es mein Blut
verstrmen. Dann ist die Empfindung von Nhe so krperlich,
ich bruchte nur die Hand auszustrecken
Was fr eine Stimme, die all das schon durchs Telefon ausdrcken
kann! Mit der Flirtstimme kndigt er an: Ich werde morgen
ganz frh kommen und dich wach vgeln.
Ich bin in tiefer Schlaftrunkenheit, als Alexander zu
mir ins Bett schlpft. Oder im Traum? Samtweich seine Haut
und seine Stimme, schlafwarm ich unter meiner Decke. Ohne
die Augen zu ffnen, ziehe ich ihn in meine Arme, er fhlt
sich khl an vom jungen Tag, aber erwrmt sich schnell an
mir. Meine Nase registriert seinen Duft, der Tagfrische
in meine Schlfrigkeit mischt. Zgernd sphe ich durch
einen winzigen Spalt meiner Lider und schaue direkt in
seine Haselnussaugen, die mich anlcheln und sehe seinen
schn geschwungenen Mund, der auch lchelt, zrtlich,
und ich lache zurck, ich mchte singen und lachen vor Glck.
Es ist, als wre er nie weggewesen, es ist wie Vogelgezwitscher
in mir, es singt Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe
dich
Sein Lustspender klopft mit sanfter, warmer Hrte gegen
meine geschlossenen Schenkel, ich frchte, meine Pforten
sind noch nachtverschlossen, doch Alexander ffnet mich
mit liebevoller Beharrlichkeit, bohrt sich langsam in
mich, verankert sich in mir, bis die Erregung uns beide
umschliet, uns zudeckt wie ein verzaubertes Bettlaken,
dessen Berhrung meine hungrige Katze weckt, die sich
gensslich streckt, ihre Krallen trge aus- und wieder
einfhrt, im Bewusstsein, ihre Beute sicher zu haben,
ihr nicht nachjagen zu mssen. Alexanders Liebespfeil
durchbohrt mich. Es ist, als wrde er mich mitten ins Herz
treffen, vielleicht weil ich so traumtrunken ungeschtzt
bin und keinerlei rationale Barrikaden aufgebaut habe.
Ich gebe mich hin, im wahrsten Sinn des Wortes, ich halte
nicht die Spur von Kontrolle aufrecht, verliere mich vollkommen
in ihm, bin nur noch Liebe, bin verloren
Alexander, so viel wacher als ich, spielt mit seiner und
meiner Lust, jetzt, da ich meine Sfte verstrme, wechselt
von einer Pforte zur anderen, als knne er sich nicht entscheiden,
welche er beglckt beglckt mich dadurch vielfach. Er
deckt sich mit mir zu, mit meinem ganzen Gewicht, ich liege
mit dem Rcken auf ihm, schwer und still, mein Kopf nach
hinten ber seine Schulter hngend neben seinem, sein
Phallus tief in meinem Gedrm steckend. Seine Finger benehmen
sich, als seien es meine eigenen: Sie streichen ber meinen
Bauch, zwischen die Schenkel, suchen gezielt das Feuchtbiotop
auf, wo das Ungeheuer Lust haust, ffnen meine Venuslippen,
finden die Knospe, das einzige Organ im ganzen Universum,
das definitiv keine andere Funktion hat als der Lust zu
dienen, und umkreisen sie in steigendem Tempo, bis sie
Feuer fngt. Mein Becken beginnt, sich rhythmisch zu bewegen,
Alexanders Krper antwortet darauf, bis seine phallische
Schubkraft auch noch den letzten Gedanken verglht und
wir wie zwei Sternschnuppen am Morgenhimmel aufleuchten
und vergehen. Ich staune wir staunen beide ber die selbstverstndliche
Parallelitt unserer Hhepunkte. Wir sind ein Fleisch.
Das Gefhl der Verschmelzung, das daraus erwchst, ist
unbeschreiblich. Es bringt mich zum berflieen, Trnen
strmen aus meinen innersten Grnden, ich bin zutiefst
erschttert, weine vor lauter Liebe.
Als ich zu mir komme, fhle ich mich in einem Ma verletzlich,
das es mir schwer macht, den Trnenfluss unter Kontrolle
zu bekommen, ich mchte aber doch Alexander nicht erschrecken
mit dem Ausma meines Glcks. Ich liebe dich, mchte ich
sagen, doch es steht ja als Wasserspur auf meinem Gesicht
geschrieben, ob fr ihn lesbar oder nicht, ich wei es nicht.
Und in diesem Zustand verlsst er mich bald darauf, nachdem
das Begehren abgeklungen, das Verlangen gestillt ist,
leider, ohne neben mir einzuschlafen, es ist ja heller
Mittag, indiskret hell, die Sonne scheint, und unsere
gestohlene Zeit ist aufgebraucht.
Habe ich dich getrumt? frage ich ihn beim Gehen.
Nein, Liebes, ich bin real.
Ich vermag das kaum zu glauben, stehle mir noch etwas mehr
Zeit, ziehe mir die Bettdecke ber den Kopf, schlafe fr
mich allein eine weitere Stunde, ehe ich mich auf den Alltag
einlasse.
Am nchsten Tag bin ich mit sehr viel Arbeit eingedeckt.
Mein Realittsbewusstsein ist wieder da, penetrant wirklich
fhle ich mich. In meinem Inneren schmollt eine kleine
Prinzessin, die noch in ihrem Liebestraum schwelgt. Sie
wirft mir vor, dass ich Alexander nicht gesagt habe, was
ich fr ihn empfinde. Als er mich anruft und mir eine willkommene
Arbeitspause verschafft Ich bin dein Pausenfller
drngt die Prinzessin sich unbemerkt vor. Ich liebe
dich, sagt sie mit meiner Stimme, ehe ich sie bremsen kann.
mein Pausenfller, fge ich schnell hinzu, gebe meiner
Stimme einen bermtig-ironischen Klang um hoffentlich
das Schlimmste zu verhindern. Als sei der Satz nur im Spa
gemeint. Du meine Gte, dabei ist es mir so ernst, dass ich
Gnsehaut bekomme.
Spt nachmittags, ich schliee gerade mein Bro und will
mich auf den Heimweg machen, klingelt mein Handy.
Wenn du mchtest, kann ich in einer Stunde bei dir sein
aber ich frchte, du hast etwas anderes vor?
Wie kommst du darauf? Nein, ich habe eine klare Prioritt:
Dich. Alles andere kann verschoben werden.
Verankere dich in mir, schlag Wurzeln, mein Geliebter,
flstere ich. Zrtlich bettet Alexander mich an seine
Brust. So still stand meine Zeit noch nie. Ich reie mich
los aus der Verzckung, entwurzle mich fr kurze Zeit,
um Alexander, auf dem Rcken ausgestreckt, in ein bergroes,
hauchzartes, blutrotes Seidenlaken zu hllen. Seine
Arme lege ich zur Seite, signalisierend, dass sie frs
erste ohne Aufgabe sind. Durch das dnne Tuch kann er mich
nur schemenhaft sehen, ist in rote Dunkelheit getaucht.
Auch ich sehe nun nicht mehr Alexander, sondern eine mnnlich
schematische Form, wie eine im Meerwasser versunkene
antike Skulptur. Allerdings ist sie sichtbar lebendig,
zumindest in ihrer Mitte, denn dort erhebt sich ein schlangenfrmiges
Tier, hebt die Seide an, versucht, sie zu durchstoen,
als wolle es geboren werden. Ich leiste Geburtshilfe,
befreie es aus seiner Umhllung. Wie ein urzeitliches
Wesen sieht es aus, das auftaucht aus einem blutfarbenen
Seidenmeer, ein Tier, das blind umhertastet, eine Hhle,
eine Muschel, ein Schneckenhaus sucht. Meine Hnde streicheln
es, versprechen Hilfe bei seiner Suche, ein Versprechen,
das sie im nchsten Moment vergessen haben. Sie geben lieber
ihrer Laune nach, ber das rote Meer zu schweben, mit nur
leichten Berhrungen, zart wie Libellenflgel, den Krper
unter der glatten Oberflche zu reizen, ihm leise Tne
zu entlocken. Das blinde Urtier scheint noch zu wachsen,
ich nehme es beschwichtigend in beide Hnde, lecke mit
der Zunge daran, um seinen Geschmack herauszufinden.
Ja, es schmeckt krftig, wrzig, salzig, wie ein Meerestier.
Es wird meiner Muschel munden. Sie lsst sich darauf nieder,
um es in ihren Schlund zu saugen, es neckend wieder freizugeben,
es zappeln zu lassen, es erneut zu schlucken, es endgltig
zu verschlingen.
Ich ksse Alexanders Mund durch die Seide hindurch, suche
seine Brustknospen mit den Zhnen, seine Konturen mit
den Hnden.
Ich spre nur weiche Wrme und feuchte Enge, sagt Alexanders
Stimme trumerisch. Du bist in mir, Liebster, das ist,
was fr mich zhlt, antwortet mein Herz, doch meine Phantasie
ergreift nun hrbar das Wort:
Vielleicht bin ich ja nicht allein. Sprst du nicht viele
Hnde und mehrere Mnder, die dich streicheln, dich kssen,
dich begehren, sprst du nicht pralle Brste ber dir schweben,
ahnst du nicht den Geruch eines
lusttriefenden Frauenschoes ber deinem Gesicht, whrend
ein weiterer sich deines Lustorganes bemchtigt hat?
Eine zweite Frau! Der Gedanke ist reizvoll, macht mich
unheimlich an. Stell dir vor, du wrdest zusehen, wie ich
in sie eindringe
Ich wrde sie umbringen, drohe ich.
Alexander lacht darber, unglubig. Nein, es wrde dich
rasend vor Verlangen machen.
Rasend vor Verlangen und vor Eifersucht, gebe ich zu.
Whrend wir so phantasieren, liegt Alexander immer noch
unter der roten Seide, mein Muschelmund hat den Fisch noch
nicht wieder ausgespien, bewegt sich gensslich schmatzend
auf und ab. Ich spre, wie seine Erregung sich stetig steigert.
Nun greifen seine Hnde nach mir, liebevoll zupackend,
meine Beckenbewegungen untersttzend. Das Tuch strt
mich, ich ziehe es von seinem Gesicht, will seine Augen
sehen, wenn wir jetzt gleich abtauchen im Ozean der Lust.
Als sei ich er, fhle ich die Wasser steigen, sich zu einem
Strudel verdichten, aus dessen Mitte der Strahl emporschiet,
eine phosphorisierende Spur hinter sich herziehend und
endlich verdampfend wie ins Meer gefallene Lava.
Du schwankst ja, spottet Alexander, als ich mit zitternden
Beinen unser Zauberschiff verlasse, um Wasser zu fassen
fr seine und meine ausgetrocknete Kehle. Ich schwanke
in der Tat, noch stundenlang, wie ein von weiter Fahrt zurckgekehrter
Seemann, dem der feste Boden unter den Fen fremd ist und
der lieber auf dem Meer geblieben wre. Ich komme ja auch
von sehr weit her zurck.

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